Ein Weckruf

Die Hessische Straßen- und Verkehrsverwaltung gab am 18.01.2008 folgendes bekannt:

„Planfeststellungsverfahren für die B 45, Ortsumgehung Erbach beim Regierungspräsidium Darmstadt beantragt - 3,3 Kilometer lange Umgehung mit rund 42 Mio. Euro veranschlagt

Wie Verkehrsminister Alois Rhiel am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte, beantragt die Hessische Straßen- und Verkehrsverwaltung die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens für den Neubau der Ortsumgehung.
Die Umgehungsstrasse soll westlich der Bahnlinie in einem rund 725 Meter langen Tunnel geführt werden, dem sich südlich ein ca. 150 Meter langes und nördlich ein ca. 125 Meter langes Trogbauwerk anschließen. Zum Schutz der Anwohner vor Lärm erhält die Straße nördlich des Tunnels beidseitig Lärmschutzwände in einer Höhe zwischen drei und fünf Metern. Auch südlich des Tunnels entsteht eine bis zu 4,50 Meter hohe Lärmschutzwand.
Mit der zukünftigen Umgehung von Erbach wird die jetzige Ortsdurchfahrt der B 45 nachhaltig vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Durch den Ort fahren bereits heute über 21.000 Kraftfahrzeuge am Tag. Für das Jahr 2015 wäre ohne Ortsumgehung mit einem Anstieg der innerörtlichen Verkehrsbelastung auf knapp 27.000 Kraftfahrzeuge am Tag zu rechnen, davon ca. 1.900 Lkw. `Die Umgehungsstraße entlastet Erbach in Teilbereichen um bis zu 57 Prozent des für 2015 prognostizieren Verkehrs und reduziert damit erheblich die Lärm- und Schadstoffemissionen. Wir beseitigen also nicht nur verkehrliche Unzulänglichkeiten und Gefahrenpunkte, sondern erhöhen die Lebensqualität in der Odenwälder Kreisstadt ganz erheblich´, erläuterte Rhiel die verkehrlichen Vorteile der vom Amt für Straßen- und Verkehrswesen Bensheim geplanten Ortsumgehung.
Für die rund 3,3 Kilometer lange Trasse wird mit Baukosten von rund 42 Mio. Euro gerechnet. Allein die Kosten für den Tunnel und die anschließenden Trogbauwerke betragen rund 32 Mio. Euro. Vier weitere Bauwerke dienen dazu, die Bahnstrecke der Odenwaldbahn, die Carl-Benz-Straße und an zwei Stellen die Mümling zu überqueren. Im Süden beginnt die Umgehung an der Neckarstraße westlich der derzeitigen Bahnunterführung, im Norden wird sie über den Rossbacher Weg zur derzeitigen B 45 zurückgeführt. `Durch einen zusätzlichen Anschluss an die Carl-Benz-Straße und Relystraße wird eine bestmögliche Entlastung der Ortsdurchfahrt erzielt´, so der Minister.
Rhiel weiter: `Nun kommt es durch das Regierungspräsidium Darmstadt zum förmlichen Anhörungsverfahren mit den von der Maßnahme Betroffenen. Das gesamte Planwerk wird nach vorheriger ortsüblicher Bekanntmachung einen Monat lang in Erbach und Michelstadt offen gelegt´. Das Anhörungsverfahren endet mit dem Erörterungstermin, bei dem alle zur Planung eingehenden Anregungen und Bedenken diskutiert und einer möglichst einvernehmlichen Lösung zugeführt werden sollen.
Der Minister zeigte sich optimistisch, dass das Planfeststellungsverfahren nun zügig durchgeführt und abgeschlossen werden kann, damit nach der Bestandskraft des Planfeststellungsbeschlusses die Bauvorbereitung und die etwa 3,5-jährige Bauzeit beginnen kann. Die Finanzierung der Maßnahme sei derzeit noch nicht gesichert, `ich werde mich aber mit Nachdruck beim Bundesverkehrsminister für die Bereitstellung der Baumittel einsetzen´, sagte Rhiel abschließend.“


Sie lesen richtig. Der derzeitige Finanzierungsplan des Bundesverkehrsministeriums mit einer Laufzeit bis zum Jahresende 2010 sieht keine Bereitstellung von öffentlichen Mitteln für den Bau einer „Umgehungsstraße“ der B45 vor. Mit anderen Worten: Ein Baubeginn vor 2011 ist unmöglich. Auf telefonische Rückfrage wurde dies bestätigt und zusätzlich erklärt, bei massivem Widerstand durch Einwendungen werde des weiteren eine erweiterte Prüfung* der Wirtschaftlichkeit der geplanten Baumaßnahme durchgeführt.

Ganz anders schaut es da bei unseren Nachbarn in Michelstadt aus. Für den vierspurigen Ausbau der B45 / B47 sind die finanziellen Mittel im Rahmenplan bewilligt. Man kann nur hoffen, dass zumindest die direkten Anrainer der Bundesstraße aus ihrer Lethargie erwachen, ansonsten könnten graue Betonelemente sich schon bald zu einer ungeahnten Dimension ausweiten.


* Das Gesetz sieht keine Unterrichtung der Öffentlichkeit zum Ergebnis derartiger Prüfungen vor.




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